Franz Sales Haus · Jahresbericht 2019

Bildung

Um Spaß am Lernen und Erfolgserlebnisse geht es für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Erfolgreich lernen

Ob Kinder oder Erwachsene, mit oder ohne Behinderung: Jeder Mensch profitiert von guten Bildungschancen, die ihn für sein weiteres (Berufs-)Leben qualifizieren. Die Bildungseinrichtungen im Franz Sales Haus setzen auf vielseitige Methoden, Konzepte und Lernerlebnisse, damit das Lernen gelingt und die Schüler nachhaltig für ihre weitere Laufbahn motiviert.
Franz Sales Förderschule

In kleinen Klassen, mit engagierten Lehrkräften und innovativen Konzepten lernen Kinder und Jugendliche an unserer Förderschule. Unterschiedliche Behinderungsformen und auch eine wachsende kulturelle Vielfalt der Schüler erfordern ein entsprechend vielseitiges Angebot. Es gilt, unterschiedliche Zugänge zu gemeinsamen Themen zu schaffen und mit allen Sinnen ein Lernerlebnis zu ermöglichen. Den Klassen der Mittel- und Oberstufe steht mit Wahlfächern und AGs ein differenziertes Angebot zur Verfügung, das die Interessen und Talente der Schüler besonders berücksichtigt.

In der Schulpraxis sehr gut bewährt haben sich die neuen, individuellen Förderpläne und der innovative Lernbegleiter: Diese Datei definiert Förderbedarfe und dokumentiert Lernfortschritte für den einzelnen Schüler über einen langen Zeitraum und macht die Entwicklung auch grafisch gut nachvollziehbar. Fachliche Kompetenzen in den Fächern Mathematik und Deutsch, vor allem aber in wichtigen Teilkompetenzen der Entwicklungsbereichen Motorik, Soziabilität, Lern- und Arbeitsverhalten, Emotionalität, Kommunikation, Selbstständigkeit und Kognition sind darin aufgeführt. Bei Förderplan-Sprechtagen tauschen sich Lehrkräfte und Eltern über Ziele und Entwicklung des jeweiligen Kindes aus. Gerade die Eltern schätzen den individuellen Lernbegleiter, durch den sie die Arbeit der Schule mit ihrem Kind noch besser nachvollziehen und unterstützen können. Mit dem innovativen Instrument, das eine konsequente Förderung ermöglicht und dabei für hohe Transparenz sorgt, nimmt unsere Förderschule eine Vorreiterrolle ein.

Zahlen und Fakten zur Förderschule

  • 113  Schüler
  • 26 Lehrkräfte
  • 2 Referendare
  • 1 Schulsozialarbeiter
  • 11 Freiwilligendienst­leistende

Ein sehr positives Feedback zum Lernbegleiter aus fachlicher Sicht gab es auch bei der Qualitätsanalyse (QA) durch die Bezirksregierung im November 2019. Vier Tage lang waren mehrere Pädagogen und ehemalige Schulleiter zu Gast. Sie sahen sich Abläufe, Organisationsstrukturen und Unterricht an. Auch Gespräche mit Lehrkräften, Schülern und Eltern gehörten zur Analyse. Schon ein knappes Jahr zuvor begannen die Vorbereitungen, um das QA-Team vorab mit Informationen, Konzepten und dem Schulprogramm zu versorgen. So konnten die Gäste schließlich zu einer fundierten Bewertung der Arbeit unserer Förderschule kommen. Das Ergebnis ist sehr erfreulich und hat alle Beteiligten in ihrer Arbeit bestätigt. Die Qualität wurde durchweg positiv bewertet, zudem gab es konstruktive Anregungen für die zukünftige Entwicklung. Das Schulleitungsteam hat die QA als sehr bereichernd erlebt, denn aus dem Austausch mit den Besuchern haben sich wertvolle Informationen darüber ergeben, wo die Schule in Sachen Qualität steht und bei welchen Aspekten es Verbesserungspotenziale gibt.

Eine große Herausforderung ist weiterhin die große Diskrepanz zwischen der hohen Nachfrage nach Plätzen an unserer Schule und dem dauerhaften Mangel an Sonderpädagogen. Im vergangenen Jahr hat sich die Situation sogar noch verschärft. Es gibt lange Wartelisten und viele Anfragen von Eltern, die gezielt die bestmögliche Unterstützung ihres Kindes an einer Förderschule suchen. Unsere kleinen Lerngruppen, das vielfältige Angebot – unter anderem im musischen und sportlichen Bereich – und die räumlichen Ressourcen machen die Franz Sales Förderschule attraktiv. Leider mussten auch 2019 wieder viele Interessenten abgewiesen werden. Neben den fehlenden Sonderpädagogen wird es zunehmend schwierig, Freiwilligendienstleistende (FSJ/BFD) zu finden, was die Belastung für die Lehrkräfte und den Schulsozialpädagogen weiter erhöht. Im Sinne eines qualitativ hochwertigen Bildungsangebots für alle Kinder mit Förderbedarf im Bereich Geistige Entwicklung wünschen wir uns eine entschlossenere Unterstützung von Seiten der Politik, damit die Förderschulen ihre wichtige Aufgabe auch in Zukunft wahrnehmen können.

Franz Sales Berufskolleg

Das Franz Sales Berufskolleg bildet Heil­erziehungspfleger, Sozialassistenten (Schwerpunkt Heilerziehung) sowie Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung aus. Die Inhalte aller Bildungsgänge entwickeln sich stetig weiter, denn der Ansatz der Behinderten­hilfe stellt neue, hohe Ansprüche an die Fachkräfte – gerade im Umgang mit der Diversität der Klienten. Auch die Verzahnung der verschiedenen Fächer untereinander gewinnt an Bedeutung.

Unsere kompetenzorientierten Bildungspläne stellen den Berufsalltag und seine konkreten Herausforderungen in den Fokus. Beim Lernen in typischen Situationen aus der Praxis können die Auszubildenden fachkompetentes und flexibles Handeln einüben. Indem sie unterschiedliche Rollen dabei einnehmen, erleben sie die Situationen ihres künftigen Berufsalltags aus verschiedenen Perspektiven und sammeln so wertvolle Erfahrungen.

Am Berufskolleg lernen die Auszubildenden im partnerschaftlichen Dialog mit dem Lehrteam, das sich selbst regelmäßig weiterbildet. Die engagierten Lehrkräfte ermöglichen den angehenden Fachkräften ein zunehmend selbstständiges Lernen und geben in Reflexionsgesprächen und Beratungsstunden konstruktive Rückmeldungen. Die Schüler sind gefordert, auf Basis von ICF-Kriterien eigenständig Förderangebote für Menschen mit Behinderung zu entwickeln. Danach reflektieren sie ihre Arbeit gemeinsam mit ihrer Lehrkraft und dem projektbegleitenden Mitarbeiter aus dem Franz Sales Haus. Auszubildenden mit Einschränkungen ermöglicht ein Nachteils­ausgleich – etwa durch längere Bearbeitungszeiten bei Klausuren – am Unterricht teilzunehmen und die geforderten Leistungen zu erbringen.

So vielfältig wie unsere Schülerschaft im Alter zwischen 16 und 56 Jahren ist auch ihr künftiges Berufsleben. Im Unterricht und in der Umsetzung inklusiver Projekte erhalten die Auszubildenden praktische Anregungen und können ihr berufliches Profil frühzeitig schärfen. Dafür sorgen die breite Palette an Kooperationspartnern und die Vielzahl möglicher Einsatzfelder in der Eingliederungshilfe. Bei Hospitationstagen lernen die Sozialassistenten bereits zu Beginn ihrer Ausbildung verschiedene Arbeitsfelder in unterschiedlichen Bereichen des Franz Sales Hauses kennen. Bei den Heilerziehungspflegern sorgt ein gegenseitiges Vorstellen ihrer Einsatzstellen dafür, dass jeder ganz vielseitige Einblicke in den Arbeitsalltag dieses Berufsfelds erhält.

Doppelt sinnvoll

Selbst konzipierte Bildungsprojekte von angehenden Fachkräften für Menschen mit Behinderung sind ein fester Bestandteil der Ausbildung am Berufskolleg. Dabei profitieren die Auszubildenden und die Teilnehmenden gleichermaßen. Unter anderem boten einige der künftigen Heilerziehungspfleger einen facebook-Workshop an, der auf reges Interesse stieß. Die Teilnehmenden erfuhren Einiges über die Möglichkeiten und Risiken im Umgang mit verschiedenen Online-Angeboten. Allgemeine Verhaltensregeln für die Internet-Nutzung – zum Beispiel: mit Blick auf Einbrecher besser keine Urlaubsbilder posten – und auch das Thema Cybermobbing wurden besprochen. Die Teilnehmenden erkannten schnell, wie wichtig der Schutz der eigenen Daten ist und nutzten die Gelegenheit, ihre Privatsphäre-Einstellungen bei facebook, Instagram und WhatsApp nach ihren Bedürfnissen einzustellen. Durch den Wochenend-Kurs konnten die Menschen mit Behinderung ihr Wissen und ihre Kompetenzen im Umgang mit den sozialen Medien erweitern und mehr Handlungssicherheit entwickeln.

Zahlen und Fakten zum Berufskolleg

  • 19 Lehrkräfte
  • 163 angehende Heilerziehungspfleger
  • 101 künftige Sozialassistenten
  • 58 in Qualifikation zur Arbeits- und Berufsförderung (FAB)

Der hohe Praxisanteil der Ausbildung bedeutet attraktive Angebote für die Klienten der beteiligten Kooperationspartner: Die Schüler der Franz Sales Förderschule profitieren von der Projektwoche mit dem Berufskolleg, bei der sie gemeinsam mit den Auszubildenden kreative Ideen umsetzen. In verschiedenen Einrichtungen und Wohnformen kommt die Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg den Klienten zugute. Für sie konzipieren die Oberkurse der Heil­erziehungspfleger im Rahmen ihrer Bildungsprojekte attraktive Workshops – vom Gärtnerei-Wochenende über das Erkunden des Ruhrgebiets bis zum Kurs, der sich dem achtsamen Umgang mit eigenen und fremden Emotionen widmet. Unsere Schüler lernen gerade bei diesen inklusiven Projekten auf allen Ebenen. Insbesondere profitieren sie vom direkten Erleben, das das Fachwissen um wertvolle Erfahrungen bereichert. Damit vermittelt das Berufskolleg den Auszubildenden zugleich eine Haltung den Menschen mit Behinderung gegenüber, die deren Wünsche und Fähigkeiten in den Blick nimmt.

Die praktische und persönliche Förderung der Nachwuchskräfte qualifiziert die Auszubildenden im Sinne einer personenzentrierten Behindertenhilfe. In Kombination mit einem zeitgemäßen Unterricht, der auf moderne Lernmittel wie interaktive Tafeln, Dokumentenkameras, Schüler-Laptops und eine digitale Lernplattform zurückgreifen kann, erhalten unsere Schüler eine umfassende und hochwertige Ausbildung. Die vielseitigen Erfahrungen helfen ihnen dabei, professionell ins Berufsleben zu starten und ihr Fachwissen zur optimalen Förderung von Menschen mit unterschiedlichen Handicaps einzusetzen.

Bei einer Studienfahrt nach Amsterdam informierten sich die angehenden Heilerziehungspfleger im Snoezelen-Zentrum de Hartenberg.

Fortbildungsbereich der Franz Sales Akademie

Interne und externe Teilnehmer schätzen unser umfangreiches und vielseitiges Weiterbildungsprogramm für Fach- und Führungskräfte, das sich verschiedenen Themen der Behindertenhilfe widmet. Um Mitarbeitende aus diesem Bereich optimal auf die neuen Anforderungen durch das BTHG vorzubereiten, wurde das Seminarangebot kurzfristig erweitert: Im September 2019 gab es einen Workshop zur Umsetzung des wenige Wochen zuvor unterzeichneten Landesrahmenvertrags NRW. Die Veranstaltung mit einem renommierten Referenten wurde gut angenommen und vom Großteil der Teilnehmenden als äußerst gewinnbringend für ihre Arbeitspraxis bewertet.

Nach wie vor sehr gefragt sind Bildungsangebote aus den Themenfeldern Demenz sowie Psychiatrische Krankheitsbilder bei Menschen mit und ohne Behinderung. Deshalb wurde dieser Bereich weiter ausgebaut. Auf besonderes Interesse stieß unser neues Fortbildungsangebot zum Thema ­Mimikresonanz®. Ein Grundlagenseminar vermittelte, wie sich durch das Erkennen von Emotionen ein schnellerer Zugang zu den Wünschen oder Einwänden der Menschen mit Behinderung finden lässt. Ein zweitägiges Angebot in 2020 soll diese Kenntnisse vertiefen.

Verschiedene Fortbildungen zu Querschnittsthemen für eine sehr breite Zielgruppe von Fachkräften aus dem sozialen Bereich verzeichneten ebenfalls eine hohe Resonanz. Dabei ging es vor allem um die Optimierung des Zeit- und Selbstmanagements, um Teamarbeit, lösungsorientierte Gesprächsführung sowie Seminare zu Stress- und Burnoutprävention.

Wie die Behindertenhilfe selbst entwickelt sich auch das Angebot der Akademie stetig weiter. So sind Veranstaltungen zur digitalen Teilhabe für Menschen mit Behinderung in Vorbereitung, die sich sowohl an Klienten als auch an Fachkräfte richten. Anfang 2020 konnte eine modifizierte Weiterbildung zur anleitenden und beratenden Pflegefachkraft starten. Dieser Kurs war 2019 nicht im Programm, da aufgrund von Gesetzesänderungen eine Anpassung von Inhalten und Umfang notwendig war.

Interessierten Fachkräften steht das Fortbildungsprogramm der Akademie jetzt auch in einer zeitgemäßen Online-Version zur Verfügung. Im Bereich Bildung der Franz Sales Haus-Webseite gibt es eine Übersicht nach Themen, Kurzinfos zu allen Seminaren und die Option zur direkten Anmeldung, was viele Teilnehmer gern in Anspruch nehmen.

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